Kampf mit dem Krampf, oder: Auf der ewigen Suche nach dem Flow!

Kampf mit dem Krampf, oder: Auf der ewigen Suche nach dem Flow!

Warum ist das eigentlich immer so anstrengend?

Nun sitze ich hier schon nahezu 2 Stunden bei dem ein oder anderen Cappuccino und schreibe einen Text über die übersensible Wahrnehmung der ADHSler im Allgemeinen und über mich selbst im speziellen und muss aufhören, weil ich mich einfach auf das Thema nicht mehr konzentrieren kann und mich richtig angestrengt fühle. Das schlimmste ist, der Text steckt immer noch ganz im Anfang fest.

Gut, ich gebe zu: genau das ist der Grund, aus dem ich nicht gerne schreibe. Nie ist etwas gut genug um es einfach so stehen zu lassen, wie es gerade aus mir heraus kam. Also fokussieren ist eine unglaublich anstrengende Angelegenheit. Und dabei möchte ich doch schreiben. Nicht nur bei diesen Blog-Texten, ich möchte unheimlich gerne Songs schreiben. Bei den Songs, die ich schreibe sind meine Bewertungen allerdings viiiiiieeeel härter – da schenke ich mir wirklich nichts. Aber gute Musik, gute Texte entstehen eben nur im „Flow“.

Echt eine Zwickmühle und mit steigendem Alter wird das Ganze ja nun wirklich nicht besser. Im Gegenteil, zum einen trauen wir uns durch viele schlechte Erfahrungen mit uns selbst immer weniger zu, unser Geist verliert zunehmend die Flexibilität durch Alltag/Routine/Stress u.s.w. und wir verlieren zunehmend die Fähigkeit, Lebensträume zu fantasieren aus Angst, scheitern zu können. Mir ist das immer schon zu wenig gewesen. Ich habe z.b. niemals eine Partnerschaft gehabt, wenn es nicht der absolute Traummann war. Angezogen haben mich nur die Dinge im Leben, die meine Leidenschaft, meine Neugier, meinen Ehrgeiz, meine Lust u.s.w. geweckt haben. Dinge, die mich komplett ins Jubeln brachten, die spannend waren und wo es viel Neues zu entdecken gab. Sonst hätte ich mich wohl auch niemals entschieden, Sängerin zu werden sondern doch erst mal ne mittlere Beamtenlaufbahn bei der Post oder so angestrebt um dann in der Freizeit meine Leidenschaften zu leben. Und ich sag euch was: es hat sich super gut angefühlt!!!

Da war er wohl, der Flow – und jetzt? Lange Zeit dachte ich, dass man mit den Jahren auch nicht wieder in diesen wunderbaren glücklichen Zustand zurück kommen kann und man ihn über all den schlechten Erfahrungen wirklich verliert. Das stimmt aber nicht! Vor vielen Jahren schon habe ich mich aufgemacht, vor allem die vielen schlechten Gefühle los zu werden. Anfangs ist das lange Zeit so, als würde nichts passieren. Aber Stück für Stück verschwanden die Gefühle und Gedanken und Glaubenssätze, die mich behinderten; beschwerten und die ich entdecken konnte und eines Tages kam der Moment, der sich wieder so im Fluss anfühlte, wie es früher mal war. Wow, ich hab das wirklich gefeiert und war schon lange nicht mehr so glücklich. Und nun ist es so: seit ich weiß, dass man es wieder haben kann, gebe ich mich nicht mehr mit weniger zufrieden.

Ich muss zugeben, dass es harte Arbeit ist immer wieder Achtsamkeit und Güte mit sich selbst zu üben und es dauert viel länger als man möchte, bis man deutliche Verbesserungen bemerkt. Man geht einen kleinen Schritt nach dem anderen, nur so geht es. Klar habe ich auch versucht, es zu erzwingen………habe mich hingesetzt und wollte Songs erzwingen, oder ein Buch schreiben, oder mich um die Steuererklärung kümmern, regelmäßig den Müll runter bringen…… alle Dinge zwischen notwendig und „will ich unbedingt“ und habe im Endeffekt lernen müssen, daß ich genau so! nicht funktioniere. Keine Ahnung, ob ein alltagsbegabter Mensch wirklich damit funktioniert, aber wir – mein ADHS und ich funktionieren vor allem über unsere Leidenschaften. Zwänge, unabhängig davon, ob sie von mir selbst oder von anderen kommen, auch unabhängig davon, ob ich weiß, dass etwas für mich Gutes erreicht werden soll, bringen ausschließlich mein „Esel-Gen“, meinen inneren Widerstand zum Vorschein.

Also gehe ich in kleinen Schrittchen vorwärts mit Lernaufgaben, die mal zumindest meine Neugier anregen und auch ein bißchen Spaß machen. (Ich schreibe diesen Blog um mich kennenzulernen und Leichtigkeit und Flow wieder zu finden)

Ich weiß einfach, dass egal wie anstrengend sich das Leben manchmal anfühlen kann, dass ich nur eine Sache machen muss, wenn ich irgendwo ankommen möchte: ich muss loslaufen und ich darf nicht aufgeben.

Jetzt schau ich mir nochmal den Text über die Hochsensibilität an, der mich eben so wahnsinnig viel Kraft gekostet hat: Angefangen habe ich mit dem Text, weil sich neben mir an der Bar, nicht mal einen Meter entfernt, eine Gruppe Menschen platziert haben und ich in kürzester Zeit total gestresst von Lautstärke und Nähe der Gäste war. Wenn ich darüber nachdenke wird mir klar, dass es nicht verwunderlich ist, dass ich daran gescheitert bin. Ich bin nun einmal extrem ablenkbar, umso mehr meine Wahrnehmung eben übermäßig gut funktioniert. Das ist also die Lösung, nächstes mal sollte ich nicht das unmögliche versuchen, sondern vielleicht eine Runde spazieren gehen, oder neben der Gruppe meine Sudokus daddeln. Mit der Erkenntnis und diesem echt zufrieden stellenden Beitrag kann ich nun entspannt den Abend genießen.

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