Selbst erschaffene Aufgabenberge

Selbst erschaffene Aufgabenberge

Vor einigen Tagen noch war ich Feuer und Flamme für die Idee, diesen Blog zu schreiben. Ich war so motiviert, dass ich überzeugt war: jetzt ändert sich alles!

Jeden neuen Tag habe ich nun versucht das gute Gefühl wieder zu finden, das noch vor kurzem so überwältigend da war.

Ja ja, das Gefühl……. dieses komische Ding, das immer tut was es will. Ist da, wenn man es nun überhaupt nicht brauchen kann. Ganz typisch ist:
– ich möchte mit dem Partner ein schwieriges Thema klären und schon beim Gedanken daran gerate ich in solche Panik dass ich nichts mehr oder nur unüberlegtes von mir geben kann.
– ich habe den Bus verpasst und dann kommt das Gefühl und erklärt mir eindrücklich, daß es doch gar keinen Sinn macht zum Termin zu gehen, wo ich doch eh schon zu spät bin.
Ein besonderer Klassiker ist:
– Am nächsten Morgen habe ich einen wichtigen, frühen Termin und habe wahnsinnige Angst nicht genug zu schlafen und evtl. auch noch zu verschlafen. Genau diese Angst hält mich dann die ganze Nacht wach.

Oder genau da, wo wir es gebrauchen könnten uns an die guten Gefühle zu erinnern, sind sie einfach verschwunden. Als ob sie niemals da gewesen wären. Auch hier gibt es einige eindrückliche Beispiele:

– als erstes dieser Blog. Ich erstelle ihn voller Vorfreude, schreibe meinen ersten Blogartikel und bin mal so richtig zufrieden und habe das Gefühl, dass sich jetzt endlich etwas bewegt. Am nächsten Tag war es sogar noch in „Fühlweite“……nur den nächsten Artikel habe ich schön vor mir her geschoben. Zack, das Gefühl,einen Blog schreiben zu können war weg.
– ein Klassiker ist hier auch das geliebte Thema Sport: Nur beim Gedanken daran, schwitzen die meisten Menschen schon übel vor sich hin und setzen ihre komplette Kreativität ein Ausreden zu finden sich vorm Sport zu drücken.
Nun hatte ich mich in einer Reha dem Thema zwangsweise so sehr genähert, daß ich nach jeder fast Sporteinheit voll mit Endorphinen, dem puren Glück war. Keine Droge kann mit dem Gefühl mithalten. Ratet mal wie lange dieses Gefühl präsent war und mich dazu getrieben hat, bei dem Sportprogramm zu bleiben? Schon nach 2 Tagen daheim wusste mein Verstand zwar noch, dass der Sport mir nicht nur sehr gut getan hat, sondern mich auch äußerst glücklich gemacht hat. Das Gefühl jedoch wusste in der Regel schon nach kurzer Zeit nichts mehr von Glücksgefühlen im Zusammenhang mit der Bewegung. So funktioniert beim „normalen“ Menschen das Motivations-/Belohnungssystem. Es lässt ihn sehr schnell Dinge wiederholen, die ein gutes Gefühl erzeugt haben, auch wenn sie erst einmal eine eher unangenehme Anstrengung erfordert. Wir ADHSler haben das aktuelle Gefühl präsent und das ist in dem Fall nun mal die Anstrengung und nicht das Glück nach der erfolgreichen Sporteinheit.

Verrückt, nicht wahr? Für einen alltagsbegabten Menschen ist das mit ziemlicher Sicherheit nicht nachvollziehbar und für uns Menschen mit AD(H)S macht es das ganz „normale“ Leben zu einer echt anstrengenden Angelegenheit. Ich kann wirklich verstehen, dass das für unsere Umwelt schwer zu verstehen und oft auch zu tolerieren ist, da sie uns mit ihren „gesunden“ Maßstäben bewerten. Sie können es ja nicht anders – sie und wir leben nun mal in unterschiedlichen Welten.

Nun bin ich seit meinem ersten Artikel täglich damit beschäftigt, die unschönen, Druck erzeugenden Gefühle zu beruhigen in dem ich mir bewusst mache, daß sie keinerlei Nutzen haben und nur hindern. Mache mir die Hindernisse klar, die ich mir selbst schaffe wenn ich ständig „Sonderbedingungen“ für mein Projekt erschaffe. So etwas wie: Jeder Artikel braucht ein bestimmtes Thema und darf nicht abschweifen! Es soll interessant sein für alle Leser! Es soll eine gute Sprache sein! Wenn die Beiträge nicht eine bestimmte Länge haben, sind sie nichts wert! Wen sollte überhaupt etwas interessieren, das meinem wirren, unsortierten Kopf entsprungen ist? Und immer so weiter…….um diesen ständig drehenden Gedanken zu entgehen fange ich an, Sudokus zu spielen und Zack ist eine Woche vergangen und das schlechte Gewissen meldet sich ……. spätestens jetzt ist die Gefahr echt groß das ganze Projekt zu begraben, weil man dieses miese Gefühl unbedingt loswerden will!

Im Vorfeld habe ich mir einige Glaubenssätze klar gemacht, von denen ich weiß daß sie schon mehr als ein Projekt sabotiert haben und positiv umformuliert:

1. Ich schreibe zwar öffentlich, aber nur für mich selbst.
2. Bewertung hat hier nichts zu suchen!
3. Es ist egal, wie oft, wie viel oder wie gut ich schreibe!
4. Genau darum geht es, das Chaos so authentisch wie es geht in meine Worte zu fassen. Was würde es für einen Sinn machen, strukturiert zu schreiben?
5. Die Aufgabe ist nicht, erfolgreich einen Blog für andere zu schreiben, sondern mich frei zu machen von all den hindernden Ansprüchen.
6. Mein Blog muss keinen literarischen Wert haben.
7. Was andere denken ist egal, denn ich bin wer ich bin!
8. Ich möchte zu mir und meinem Blog stehen damit ich nicht immer weiter versuche, Dinge zu lernen, die ich nur sehr mühsam lernen kann.
9. Meine besonderen Begabungen möchte ich hegen und pflegen und sie nicht verkümmern lassen weil einfach keine Energie mehr dafür übrig ist.

Dieses ist nun mein Mantra seit einer Woche und juchuhh, es wirkt. Ich schreibe…… (0k, immer mit den Gedanken: nicht bewerten Annette, einfach schreiben!)

Wie geht es euch mit dem Thema, sich das Leben viel schwerer zu machen als es für uns sowie schon ist indem wir uns mit fremden Ansprüchen zumüllen, anstatt in unsere Leidenschaften und Begabungen zu gehen?

In jedem Fall übe ich hier mich selbst zu akzeptieren mit all meinen Schwächen und Stärken und wünsche mir und allen, die hier interessiert mitlesen auf ihrem eigenen Weg immer weiter zu kommen in ein befriedigendes kraftvolles Leben.

Annette

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