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Der Grad zwischen normalem Chaos und psychischer Erkrankung ist schmal. Behandlungsbedürftig ist ADHS erst, wenn es zu erheblichen Problemen bei der Arbeit oder in Beziehungen kommt. Foto: © WoGi – Fotolia.com

Wie sollen denn die Anderen mich verstehen, wenn ich es nicht einmal selbst kann? Wie kann ich anderen meine Gedanken näher bringen, wenn ich selber nicht einen einzigen beibehalten kann?

So soll dieser Blog mein ganz persönliches Gedankenablagesystem sein in der Hoffnung, mich selbst besser verstehen zu lernen und zu wachsen.

Mit der Zeit möchte ich auch den Content mit ausgesuchten, leicht zu verstehenden Fachinformationen füllen, denn es herrschen immer noch viel zu viele Vorurteile über ADHS in der Bevölkerung sowie auch bei Medizinern, die sich wissenschaftlich schon längst viel klarer definieren lassen.

Die einen nennen ein ADHSler – Leben chaotisch und die anderen nennen es kreativ. Ich würde sagen, da unser inneres System von Natur aus anders angelegt ist, müssen wir uns dementsprechend anpassen um das ADHS nicht nur als Problemschaffer zu erleben, sondern seine wunderbaren Besonderheiten zu nutzen. Vor kurzem erst habe ich einen Bericht gefunden, in dem es hieß, daß die ADHSler zu früheren Zeiten wahrscheinlich sogar den anderen Menschen gegenüber bevorteilt waren. Wir können nun einmal in Gefahr oder bei großem Interesse extrem fokussiert sein und große, mutige Dinge schaffen, während andere in Panik geraten und völlig überfordert sind. Im heutigen Alltag allerdings, der eher wenig stimuliert, muss der ADHSler eine riesige Menge an Energie aufbringen um soviel Anreiz zu schaffen, dass sein Fokus reicht, alltägliches anzupacken, dass er schnell in die totale Überforderung gerät. Wenn nun unserer Umfeld schon erlebt hat, wie gut wir sein können, was wir alles schaffen können wenn wir hyperfokussiert sind, fällt es den außenstehenden Menschen sehr schwer diese beiden gegensätzlichen Eigenschaften in einer Person vereint zu sehen. Also wird es Zeit, den „Alltagsbegabten“, nicht Betroffenen einen Einblick in das Erleben und die scheinbar verrückte, bunte Welt der ADHSler zu ermöglichen.

Seit einiger Zeit habe ich nun die Gelegenheit, mich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Das ist ein großer Segen zu hören, dass es anderen ganz genau so geht. Dass all die Dinge, die viele Nicht-Betroffene als „nicht normal“ einstufen unter anderen ADHSlern plötzlich total normal ist. Endlich habe ich das Gefühl,daß ich gar kein Alien bin, sondern daß es viele Menschen mit einem gleichen oder ähnlichen Erleben gibt. Auch das ist ein Grund aus dem ich schreibe – für alle Betroffenen, die sich nach dem Lesen meiner Texte vielleicht ein Stückchen normaler oder einfach nicht mehr so ganz allein fühlen. Ganz bewusst nutze ich keine diskriminierenden Worte für uns ADHS Betroffene und auch keine abwertenden Beschreibungen der Nicht-Betroffenen, nenne uns nicht „unnormal“ und die anderen Menschen „normal“, sondern „alltagsunbegabt“ und „alltagsbegabt“. In meinen Augen trifft es das ganz gut.

Also herzlich willkommen alle Alltagsbegabten und Unbegabten in meinem Blog und viel Spaß!

Annette